Sonntag, 25. Mai 2008

3:10 to Yuma (Kino Review) [Nachtrag]

Ein weiterer Nachtrag. Am 4.2.2008 habe ich dieses Review geschrieben: 




3:10 to Yuma


Der Western lebt. Zumindest ist er nicht tot. Zumindest haben The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford und 3:10 to Yuma das Potenzial, den Anfang einer neuen Western-Ära zu bilden. Letzteren habe ich gestern nach monatelangem Warten endlich gesehen.

Der Film handelt von Dan Evans (Christian Bale), einem verschuldeten Farmer in Arizona, der auf Kosten der Bahnstrecke im nächsten Frühling sein Land verlassen muss. Als in der nächsten Stadt der berüchtigte Gangster Ben Wade (Russel Crowe) gefasst wird, meldet er sich, um ihn zusammen mit 4 Männern für 200 Dollar nach Condition zu bringen. Von dort soll er per Zug ins Gefängnis gebracht werden, dem 3:10 to Yuma. Ein äusserst gefährliches Unterfangen, denn Wade's blutrünstige Bande ist nicht weit und Wade selbst scheint seinen Wächtern immer einen Schritt voraus zu sein.

Man kann den Film in dem Zusammenhang mit "Jesse James" vergleichen, da in beiden Filmen ein sogenannter Held, ein gefährlicher, berüchtigter, undurchschaubarer und unantastbarer Mann, als Antagonist dasteht. In beiden Filmen entwickelt sich eine besondere Beziehung zwischen diesem Gangsterboss und der Hauptperson, einem niemand, der nach Heldenruhm strebt. Aber man kann die beiden Filme dennoch nicht direkt vergleichen, weil sie die Akzente völlig anders setzten. Während sich "Jesse James" mit melancholischen Bildern und schwerfälliger Atmosphäre der Figur des Jesse James und der Entstehung einer Legende zu nähern sucht, bietet "3:10 to Yuma" Spannung vom Feinsten und ist dementsprechend mehr massentauglich. Und das überhaupt nicht im negativen Sinne.

Der Film erzählt auf den ersten und auch auf den zweiten Blick eine klassische Westernhandlung und reichert diese mit einer fabelhaften Bildgewalt, elektrisierender Atmosphäre, stimmiger Musik, einer ambivalenten Beziehung zwischen den beiden Hauptcharakteren und einem ungewöhnlichen Ende an. Das ganze Paket wird getragen von einem starken Christian Bale und einem Russel Crowe, der zwar keine geniale Performance wie Brad Pitt als Jesse James abliefert, aber einen sehr charismatischen und ambivalenten Bösewicht verkörpert. In der Nebenrolle überzeugt vor allem Ben Foster als Wades gnadenloser, treu ergebener Mann. 
Allgemein fällt auf, dass die Charaktere sehr sorgfältig gezeichnet werden, was der oberflächlich gesehen nicht neuartigen Story die nötige Tiefe verleiht. Dazu kommt die Sorgfalt, welche auch all den kleinen Details der Handlung gewidmet wurde, weshalb in den zwei Stunden keine Sekunde der Langeweile zu finden ist, stattdessen scheint die kalte Luft des Westens je länger je mehr zu knistern anhand der wechselseitigen Konflikte, die sich aufbauen. Selten seit den grossen Tagen von damals, als John Wayne noch in der Prärie für Recht und Ordnung sorgte, und höchstens noch bei Kevin Costner war der Western so ambitioniert, energiegeladen und moralisch entschlossen. Und dabei wird "3:10 to Yuma" nie etwa kitschig oder pathetisch, im Gegenteil: Zu den grossen Qualitäten des Filmes gehört, dass er stets unterschwellig einen schlauen und gerissenen Eindruck macht und eine gewisse Atmosphäre von Gefahr verbreitet, ganz wie es Ben Wade als Urform des romantischen Banditen darin auch tut. Endlich wieder ein Western, bei dem man vorbehaltlos mitfiebern kann. Ich rate jedem, der damit etwas am Cowboyhut hat: Ansehen! 

"3:10 to Yuma" ist ein klassischer, fantastisch gespielter und extrem spannender Film, der hinter der Action-Kulisse vielschichtige psychologische Aspekte bietet. 

ca. 9 von 10 Punkten

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