Sonntag, 14. September 2008

Jeremiah Johnson (DVD Review)



Jeremiah Johnson

Am 26. Mai dieses Jahres verstarb Sydney Pollack, Schauspieler, Regisseur und Produzent. War er dieses Jahr noch in dem grandiosen Michael Clayton zu sehen, so waren seine grosse Zeit als Regisseur die 70ern und 80ern. Unter anderem mit Jeremiah Johnson.

Der Film spielt um 1850 in den Bergen des heutigen Colorado. Die Hauptfigur, ein ehemaliger Soldat, beschließt aus nicht genannten Gründen in die Berge zu gehen, um ein einsames Leben als Trapper zu führen. Nach existenziellen Grenzerfahrungen im ersten Winter, macht er die Bekanntschaft des alten Trappers Bear Claw, der zu seinem Lehrer wird und Jeremiah dazu verhilft, ein überlebenstüchtiger Jäger und Fallensteller zu werden. Danach trifft er eine Frau, deren Angehörige von Indianern massakriert wurden, und die ob des Geschehenen wahnsinnig geworden war. Sie vertraut Jeremiah ihren stummen Sohn Caleb an, den neben ihr einzigen Überlebenden. Eher durch Missverständnisse und widerwillig heiratet Jeremiah die Flathead-Häuptlingstochter Swan. Jeremiah sieht sich nun mit der unerwarteten Situation, dass er für zwei Menschen verantwortlich ist, konfrontiert und beschliesst, sich niederzulassen. Der Zivilisationsflüchtling wird zum Familienmenschen.
(frei nach Wikipedia)

Man denkt beim Begriff Western nicht an Filme wie "Jeremiah Johnson". Insbesondere im Bereich der Indianerflme herrschen Action, Gemetzel und Dramatik vor, weshalb so manch einer von diesem Film überrascht sein dürfte. Pollack geht nämlich einen ganz anderen Weg, indem er die Legende des Trappers und Indianertöters Johnson eben als eine Legende erzählt. Er verzichtet deshalb bewusst auf eine Erläuterung von Johnsons Vergangenheit oder allzu viel Realismus. Die Geschichte des Lebens in der Wildnis wird uns in Etappen präsentiert, die von melancholischen Folksongs untermalt und stets von einem Augenzwinkern begleitet werden. Neben vielen erfrischend komischen Szenen nehmen sich Pollack und Drehbuchautor John Milius (Apocalypse Now) aber mit zunehmender Laufzeit immer mehr Zeit, ernst zu werden und betonen den Aspekt des Dramas. Dramatik ist nämlich einige zu finden, Spannung hingegen kaum. Und manchmal ist das ja auch gut so. Ohne Hast, ohne falsche Eile begleiten wir Johnson, wie er durch den meterdicken Schnee vor dem Panorama der Rocky Mountains stapft, wie er erfolglos Fische zu fangen versucht oder mühsam ein Lagerfeuer in der Kälte errichtet. Manche mögen das langweilig finden, aber Pollack hat es geschafft, gleichermassen die Romantik und die Grausamkeit der Wildnis in einmalige Bilder unterzubringen. Das Land, in dem sich die Geschichte abspielt, spielt dabei eine wichtige Rolle. Es ist ein Land abseits der Zivilisations, ein natürliches, unberührtes, mystisches Land, in dem die uralten Gesetzte des Lebens gelten, ein Land zwischen Hier und Dort, zwischen Dieseits und Jenseits. Die stolze, ehrfürchtige, spirituelle Kultur der Indianer verkörpert dieses Land. Wenn die Weissen unter sich reden, dann sprechen sie von "hier oben" oder "dort unten", als ob sie sich auf einer anderen Stufe der Existenz befinden würden.
Und in eben diesem Umfeld hat Johnson, übrigens gewohnt einmalig gespielt von Robert Redford, nun plötzlich einen Sohn und eine Frau. Das ist keine leichte Ausgangslage, eine Familie bestehend aus drei Menschen, die keine gemeinsame Sprache sprechen, und zu Beginn läuft es nicht gerade gut. Doch nach einer Weile schmilzt die Distanz zwischen ihnen, und Pollack zeigt uns, dass zwischenmenschliche Beziehungen nicht auf Kommunikation angewiesen sind, dass man keine Worte braucht um sich das Wichtige zu sagen. Umso mehr trifft es den Zuschauer, als diese Idylle des familiären Glücks zerstört wird.
Auch anderes, beispielsweise Religions- und Gesellschaftskritik, gibt es in "Jeremiah Johnson" zu entdecken, und trotzdem bleibt der Film unglaublich weitläufig. Trotz der geringen Laufzeit von 109 Minuten bleibt er gedehnt, beinahe langwierig. Schon allein die Tatsache, dass dem Film eine fünfminütige Overture vorgeschaltet wurde, ist nicht gerade normal. Pollack erzählt die Ereignisse ohne Zeit, und genau das macht sein Werk zeitlos.

"Jeremiah Johnson" ist ein vielschichtiger, ausgewogener und ruhiger Film, der sich respektvoll dem Land, den Kulturen und den Legenden vom Amerika der Pioniere nähert.

ca. 9 von 10 Punkten


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Samstag, 13. September 2008

Fool's Gold (DVD Review)


Fool's Gold

Sie gehören einfach zu jedem Kinosommer: 0815-Fliessbandfilme aus Hollywood, die die warmen Temperaturen auch in die Kinosäle bringen sollen. In diese Kategorie gehört eindeutig auch Fool's Gold. Sympathisch an ihm ist auf jeden Fall, dass er sich dessen sehr wohl bewusst ist und zu keinem Zeitpunkt so tut, als wolle er mehr sein als simple Unterhaltung. Wenn man also nichts anderes erwartet, kann man sich für 113 Minuten in die Karibik entführen lassen. Die Story dabei ist nicht der Rede wert, von der ersten Minute an durchschaubar und begrenzt glaubhaft. Zu der Dan Brown'schen Schnitzeljagd, die so linear wie klassisch vorwärtsgetrieben wird, mixt man das übliche Spektrum von Romanze und Comedy dazu und somit hat der Film trotz deutlichen Längen ein gewisses Grundtempo, das den Zuschauer an der Stange hält. Technisch gesehen bekommt man solide, glänzende Durchschnittskost geboten und somit fallen einige sehr unprofessionelle Schnitte nebst den strahlenden Postkartenaufnahmen gar nicht wirklich auf. Die Schauspieler variieren zwischen zweit- und dritklassigen Komödianten (Ausnahme: Donals Sutherland, Ray Winstone), insbesondere Matthew McConaughey hat abgesehen von einem überraschten Gesichtsausdruck, einem gestählten Oberkörper und einer Aura von Begriffsstutzigkeit nicht wirklich etwas zu bieten. Aber was solls. Der Zweck eines solchen Filmes ist ja auch ein anderer: Man sieht schönen Menschen, deren Körper man auch gerne hätte, zu wie sie Dinge tun, die man auch gerne täte, an einem Ort, an dem man auch gerne wäre.

"Fool's Gold" ist keine Filmperle, sondern seichte Sommerunterhaltung.

ca. 5 von 10 Punkten

Donnerstag, 11. September 2008

Galaxy Quest (DVD Review)



Galaxy Quest

Und schon geht es weiter mit den gelungenen Parodien. Das Erfolgsrezept von Galaxy Quest, einem humorvollen Blick auf den Kult von Science Fiction-Filmen, ist die Story:

Im Zentrum der Handlung stehen die ehemaligen Stars der längst abgesetzten, fiktiven Science-Fiction TV-Serie „Galaxy Quest“. In guter alter Star Trek-Manier hatten sie unter der Leitung von Commander Peter Quincy Taggart mit ihrem Raumschiff, der NSEA Protector, etliche Male das Universum gerettet. Heute halten sich die ehemaligen Stars mit Auftritten bei Werbeaktionen und Fantreffen über Wasser und sind mehr oder weniger verbittert über ihr Dasein. Zu ihrer großen Überraschung geraten sie plötzlich in eine galaktische Auseinandersetzung, da die Thermianer, ein außerirdisches Volk, stets die Folgen der TV-Serie verfolgt haben und sie für „historische Dokumente“ halten.
(frei nach Wikipedia)

"Galaxy Quest" ist ist somit ein Film, der sowohl den Science Fiction an sich, als auch den ganzen Hintergrund parodiert. Diese Idee, die Vermischung von Realität und Fiktion, ist toll und funktioniert grandios. Und zwar deshalb, weil der Film zwar den ganzen Kult um "Star Trek" gnadenlos auf die Schippe nimmt, ihn aber gleichzeitig würdigt. Anders als beispielsweise "Hot Shots!" wird er zeitweise auch ernst und erzählt eine durchaus eigenständige Geschichte, was dann auch seine grosse Stärke ist. Das Drehbuch ist nämlich nicht nur witzig, sondern auch erstaunlich spannend, abwechslungsreich und einfallsreich geschrieben. Auch optisch gibt es durchaus etwas zu sehen, zumindest wurde aus den 45 Millionen Dollar Produktionskosten etwas Anständiges herausgeholt. Aber darum geht es ja nicht.
Natürlich ist der Film in erster Linie für Trekkies konzipiert, aber er hat auch einen so ironischen wie liebevollen Blick auf Fandoms allgemein, sei es nun von "Star Trek", "Star Wars" oder neuerdings "Lord of the Rings". Sie sind schliesslich ein Phänomen, diese Leute, die jeden Satz ihrer Lieblingsfigur auswendig lernen, in aufwändigen Kostümen auf Fantreffen gehen und an die Originalschauplätze reisen, um einen eigenen Fanfilm zu drehen. Und auch für jene, die mit den ganzen Freaks nichts am Hut haben, bietet der Film genug zum Lachen. Ganz zu schweigen davon, dass man die Sternenhelden aus Versehen genauso wie die Evolutions-benachteiligten Aliens einfach ins Herz schliessen muss. Anders gesagt: Tolle Charaktere, toll gespielt. Egal ob SciFi-Ikone Sigurney Weaver als oberflächliche Frauenrolle, Tim Allen als egoistischer Captain oder Alan "Snape" Rickman als grandios griesgrämiger Spock-Verschnitt, alle passen sie hervorragend und sind mit merkbarem Spass bei der Sache. So schafft es der Film, genau den Charme zu entfalten, den die Fans an "Star Trek" so lieben. Und einmal kann man, meiner Meinung nach zumindest, tatsächlich ein seltenes Prädikat verleihen: Besser als das Original!

"Galaxy Quest" ist eine sagenhaft komische und unverschämt sympathische SciFi-Parodie.

abgerundet ca. 8 von 10 Punkten